Aufsätze

Wissenschaftliche Aufsätze, sagt man, würden im Durchschnitt von 1 bis 2 Personen gelesen. Der Rest ist für die Publikationsliste. Letztere ist wiederum nur so lange von wirklicher Bedeutung, als sie ein Argument im Kampf um „Posten, Posten, Posten“ ist – „und wenn es sein muss von der Konkurrenz“ (Bertolt Brecht).

Im akademischen Betrieb dienen Fachaufsätze der bibliometrischen Rüstung. Zitat: „Bei den Metriken wird die Anzahl der Veröffentlichungen mit der Anzahl der erhaltenen Zitate verglichen, so dass die folgende Definition vorausgesetzt sei“.

Berechnung des Impact Factors: Die Anzahl der Zitate auf alle Publikationen der letzten x Jahre geteilt durch Anzahl der zitierbaren Publikationen der letzten x Jahre

Der Vorteil von Metriken liegt darin, dass sie ohne Leser*innen auskommen. Es kommt lediglich darauf an, dass zitiert wird und eine metrische Ziffer entsteht, die dann an Stabstellen, Kommissionen usw. weitergekurbelt werden kann. Sie gewinnen damit einen generalstabsmäßigen Überblick über ihre Feuerkraft (im Wettbewerb um die Wahrheit – auf der Ranking-Tabelle) beziehungsweise den IMPACT FACTOR.

Die Aufsätze, die hier nachzulesen sind, haben den IMPACT FACTOR 0 (Null). Ihr Zweck besteht darin, eine Erkenntnis über die in ihnen besprochenen Gegenstände zu gewinnen. Ob das gelungen ist, müssen Leser*innen entscheiden, die etwas damit anfangen oder nichts damit anfangen können.

Der Aufsatz über die „Gegenwart der Eugenik. Zum Fall Perruche“ ist 2003 in einem von Martin Stingelin herausgegebenen Band (stw 1644) zum Thema „Biopolitik und Rassismus“ erschienen (S. 206-227). Er ist geringfügig überarbeitet und orthographisch angepasst worden. Ausgehend vom „Fall Perruche“ geht es um die Frage nach dem Wert des Lebens in Gesellschaften, die Menschen vor allem unter dem Gesichtspunkt der Verwertung (Arbeitskraft, Konsument, Kunde, Kanonenfutter, Stakeholder usw.) kennen und deswegen – explizit seit 1920 – über die „Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ nachdenken: „Die Beseitigung der geistig völlig Toten ist kein Verbrechen, keine unmoralische Handlung, keine gefühlsmäßige Rohheit, sondern stellt einen erlaubten nützlichen Akt dar.“ [Karl Binding, Alfred Hoche: Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form, Leipzig : Felix Meiner 1922, 2. Auflage, S. 57.]

Der Aufsatz „Proletarische Allegorese“ ist im Dezember 2021 in der „Deutschen Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte“ erschienen. Er regt an, das Märchen von der Säkularisierung neu zu erzählen, nicht nur als Geschichte vom glückseligen Fortschritt. Es ist auch eine ziemlich gruselige Horrorgeschichte.

https://link.springer.com/article/10.1007/s41245-021-00136-4

Wer wissen möchte, warum Spiderman (und seine Freunde: Superman, Iron Man usw.) gar nicht anders kann, als zu siegen bis ans Ende der Zeiten, anders gesagt, warum Apokalypse und American Entertainment zusammengehören, wird hier fündig: