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Anlässlich des Internationalen Museumstags 2026 wurden im Museum Wagenschwend unterschiedliche historische Epochen der 700jährigen Dorfgeschichte vorgestellt: von der Zeit des römischen Limes, der fränkischen Kaiser bis ins 20. Jahrhundert. Deutlich wurde: Das sogenannte Hinterland lag weder hinten noch zurück. Wie alle anderen Landstriche auch war es unmittelbar in der Welt, das heißt, betroffen von den jeweiligen historischen Dynamiken, Zäsuren, Epochenumbrüchen: durchziehende Römer, Germanen, Herrschaftswechsel, Religionskriege, (entsetzliche) Bauernkriege, Einführung der Geldwirtschaft, Leibeigenschaften, Einwanderungen, Abschiebungen, Auswanderungen, Delinquenz, Industrialisierung, Missernten, Agrarkrisen, Hunger-Aufstände, Neuansiedlungen, Motorisierung, Elektrifizierung, niedergeschlagene Revolutionen. Von behaglicher Idylle, urwüchsiger Tradition, tiefster Verwurzelung – keine Spur. Die waren hauptsächlich in Druckerzeugnissen und Urlauberköpfen zuhause.

Dass die Provinzbauern Moderne und Aufklärung in Deutschland behindert hätten, während der Fortschritt in Mensur schlagenden Metropolen wie Göttingen oder Alt-Heidelberg vorangebracht worden wäre, ist eine interessierte Tatsachenverdrehung, erfunden (und immer wieder gern erzählt) von deutsch-nationalen Professoren, nach 1945 von rechts- und linksliberalen Erbengemeinschaften. Im Nachhinein will man’s nicht gewesen sein. Auch wenn im Vorhinein die deutschen Buchpreise, völkischen Forschungsfelder, rassenhygienschen Institute zwischen 1870 und 1945 das Gegenteil belegen.

Grimms Märchen – „Der Grabhügel“ oder „Der arme Junge im Grab“ etwa – wussten über die Dörfer besser Bescheid. Sie erzählen in einem fort vom Riss, der durch die Welt geht (wie Brecht sagt). Er geht durch Industrie-Metropolen und agrarisches Hinterland gleichermaßen; er teilt hier wie da oben und unten, vorne und hinten, die eine von der anderen Klasse. Diejenigen, die Kunst- und Finanzmetropolen für hip und unumgänglich erklären, den Rest für blöd und dunkel, weist derselbe Riss nach wie vor als ideologische Einfaltspinsel oder bezahlte Diskurs-Security aus (die mit den schicken Denunziationsformularen). Brecht hat ihnen in der Ballade von der Billigung der Welt ein Denkmal gesetzt.

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Alain Badiou hat kürzlich eine kleine Streitschrift veröffentlicht, der man gern größere Verbreitung wünschte: Alain Badiou: Sur la politique aujourd’hui, Paris : Éditions des Lumières 2026 (78 S.)

Badiou schlägt darin u.a. vier politische Möglichkeiten vor, insbesondere an die Adresse jener, die sie prinzipiell für unmöglich halten, das heißt, die glauben, die liberale Weltordnung sei das ultimative Ziel der Geschichte. Irgendwie sei Liberalismus (also Kapitalismus) normal und unabänderlich, verhängt von den Göttern beziehungsweise der Moderne und dem Silicon Valley persönlich. Dass 264 Personen genauso viel besitzen wie 3 Milliarden andere… –: jepp, das ist so. Dagegen Badiou: „Politik beginnt in dem Moment, indem man nicht länger akzeptiert, die Unterscheidung zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen mit dem Gegner zu teilen.“ Als Möglichkeit behauptet Badiou folglich das, was alle Welt für unmöglich erklärt:

Erstens: Es ist möglich, das gemeinsame soziale Leben auf etwas anderes hin auszurichten als auf das kapitalistische Privateigentum und den Profit.

Zweitens: Es ist möglich, die Produktion zu organisieren ohne rigide Teilung zwischen den Ebenen der Führung und der Untergebenen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Arbeit nicht kollektiv und egalitär zu organisieren.

Drittens: Es ist möglich, das soziale Leben zu gestalten, ohne es auf Identitäten zu gründen: Religion, Nation, Sprache, Geschlecht, kulturelle Gewohnheiten usw. Differenzen zwischen Identitäten können und sollen existieren, sie dürfen aber keine politischen Gemeinschaften begründen, aus der alle anderen ausgeschlossen wären.

Viertens: Es ist möglich, den Staat aus der Geschichte verschwinden zu lassen. An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.

Die Pointe der kleinen Schrift ist poetisch und besteht darin, Arthur Rimbauds Gedicht „Génie“ aus den „Illuminations“ (aus dem Jahr 1874) als Beschreibung des behaupteten Möglichen zu lesen.

Er [le génie] ist die Zuneigung und die Gegenwart, da er das Haus geöffnet hat dem schäumenden Winter und dem Aufruhr des Sommers, er, der gereinigt hat die Getränke und die Speisen, er, der die Anmut fliehender Orte und das übermenschliche Entzücken der Halteplätze ist. Er ist die Zuneigung und die Zukunft, die Kraft und die Liebe, die wir, aufrechtstehend in Grimm und Verdruss, vorüberziehen sehen an dem Sturmhimmel und den Fahnen der Ekstase.

Und wenn das Génie am Sturmhimmel, das „Il“ des Gedichts, die andere Weltordnung benennen würde? Die menschliche Emanzipation? Neue Sinne?

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Arlette Farge, die große französische Historikerin, hat im Oktober 2025 im Genfer Verlag MetisPresses / „collection archVives“ eine Studie über polizeiliche Personenbeschreibungen [„signalements“] von Galeerensträflingen und Delinquenten im 18. Jahrhundert veröffentlicht: Ils ont écrit leurs visages. In den Polizeiportraits blitzen die Lebensschicksale der mit dem Stigma der Unehrlichkeit geschlagenen Menschen nur kurz auf: „Brüder. Léonard Pecour, 14 Jahre, gebürtig aus Doullens, braune Haare, hohe Stirn, graue Augen, rundes, blasses Gesicht, Pockennarben, zu 5 Jahren Galeerenhaft verurteilt wegen unerlaubtem Tabakhandel, Urteil vom 10. September 1753 [ein Kreuz am Rand des Eintrags markiert seinen Tod]; sein Bruder, 16 Jahre, einäugig, linkes Auge erblindet, große Nase, rundes Gesicht, Pockennarben“. Was die Akten unfreiwillig festhalten, ist das unerträgliche Elend zweier Heranwachsender, die von der absolutistischen Ordnung (unter Louis XV) buchstäblich zermahlen worden sind: in Halsketten gelegt, zusammen mit anderen Leidensgenossen zitternd, hungernd, frierend, verlaust, monatelang aus dem Norden Frankreichs nach Marseille marschierend. Die Vergehen der Armen waren gering: unerlaubter Handel mit Salz oder Tabak, kleine Diebstähle, aber auch: Bekenntnis zum Protestantismus, Zugehörigkeit zum Judentum. Léonard Pecour hat die Strapazen des Marsches nicht überlebt.

Es sind Schicksale von kleinen Leuten mit angeblich unbedeutenden Leben, die Arlette Farge noch einmal ins Gedächtnis ruft, die Geschichte derer, die „die Phrasen“ der Mächtigen „verkörpern“ (Büchner) müssen, damit aber, im Gegensatz zu den kitschigen Welt-Geschichts-Erzählungen (zur Sonne, zur Freiheit, zur Demokratie, zum Wohlstand usw.), die Wahrheit über die herrschende Ordnung sagen: über ihre Grausamkeit, Hartherzigkeit, Selbstverliebtheit, Dummheit. Die Herausgeberin der „collection ArchVives“, Karelle Ménine, zitiert zu Recht, die zweite geschichtsphilosophische These Walter Benjamins, um die Arbeit von Arlette Farge zu charakterisieren: „Die Vergangenheit führt einen heimlichen Index mit, durch den sie auf die Erlösung verwiesen wird. Streift denn nicht uns selber ein Hauch der Luft, die um die Früheren gewesen ist? Ist nicht in Stimmen, denen wir unser Ohr schenken, ein Echo von nun verstummten? […] Ist dem so, dann besteht eine geheime Verabredung zwischen den gewesenen Geschlechtern und unserem. Dann sind wir auf der Erde erwartet worden. Dann ist uns wie jedem Geschlecht, das vor uns war, eine schwache messianische Kraft mitgegeben, an welche die Vergangenheit Anspruch hat.“ Die unbedeutenden Brüder Pecour, die auf den Straßen und in den Gefängnissen des Ancien Régime verreckt sind, haben nach wie vor Anspruch auf ein anderes Leben als das, zu dem sie verdammt worden sind. Und wir sollten uns tatsächlich, anstatt sie zu vergessen oder zu leugnen, an die schwache messianische Kraft erinnern, die uns mitgegeben ist.

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Ein kurzer Lesetipp in Sachen deutscher Literatur. Nach über sechsunddreißig Jahren haben die Texte des Dichters (Baufacharbeiters, Postboten, Bibliotheksangestellten) Matthias BAADER Holst (1962-1990) noch immer genaue, aufmerksame und neugierige Lektüren verdient.

„Matthias“ BAADER Holst: hinter mauern lauern wir auf uns. Drei Textsammlungen und verstreute Texte aus den inoffiziellen und offiziellen Publikationen bis 1990. Neu herausgegeben von Tom Riebe, Halle/Saale : Hasenverlag 2010, 276 S.

Die Texte von BAADER Holst sind vor allem deswegen lesenswert, weil sie schwarz auf weiß vor Augen führen, dass in der DDR junge, kluge, mutige, hellsichtige Menschen, Poeten und Revolteure gelebt haben, die (weil klug und hellsichtig) nichts von den anstehenden deutschen National-Illusionen und D-Mark-Versprechungen hielten: „über 7 grenzen musst du gehen 7 todesschüsse überstehn 7 mal wirst du die asche sein aber einmal auch das wessischwein.“ Folglich hielt BAADER Holst auch nichts von der wie Schimmelpilz aus dem Boden schießenden DDR-Dissidenz. „ich bin die bratensoße / deiner nationalen neu/rose!“ Lieber vertraute er seinen abrasierten Augenbrauen und sprach Empfehlungen aus für Punk-Kapellen wie „feindliche mähdrescher (greiz) oder „l’attentat“ (Leipzig), für Wolfgang Hilbig und Franz Kafka. Zur seit Ende der 1980er Jahre angekündigten Nacht der langen Wiedervereinigung bemerkte er:

falls das morgenrot kommt ich hab nachtschicht

[…]

ich weiß nicht was soll es bedeuten dass ich so glasnost bin ich küsse auf der straße schon jedes doppelkinn ich höre auf zu schreiben denn fühl mich viel zu frei was gestern deutlich unrecht schluck heut wie süßen brei und all die toten tanzen wer toter noch der träumt die knuten bluten frohsinn bei uns wird aufgeräumt!! pardon wird nicht gegeben gib pfötchen dissident! vergessen all die jahre ins offne messer rennt ein jeder frisch beseelt. [S. 226]

Bis heute taucht BAADER Holst in keiner offiziellen deutschen Literaturgeschichte auf. Gestorben ist er achtundzwanzigjährig am 30. Juni 1990, „dem letzten Tag der DDR-Mark, anonym in einem Berliner Krankenhaus.“ Eine Woche zuvor war er gegen 5 Uhr morgens in der Oranienburger Straße/Ecke Friedrichstraße von einer Straßenbahn angefahren worden. In seiner Tasche fand man – das war kein Zufall – Zigarillos der Marke SPRACHLOS. Pfötchen hat er nie gegeben. Dass alle ins offene Messer rannten, hat er mit großen Augen gesehen. Und er wusste, dass er gegen die POP-Piranhas, die von VIVA-FAZ-Bertelsmann-RTL-BILD-jetzt-Magazin gerade ins Becken gesetzt wurden, keine Chance haben würde. Dafür konnte er noch die Wahrheit sagen: „ich habe das recht im namen des unrechts ‚frei zu reisen‘ ich trete die deportation nicht an.“

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Vom 19. bis zum 21. März 2026 fand auf dem Campus Condorcet in Paris-Aubervilliers der „Printemps des Humanités“ statt. Sozial– und Humanwissenschaftlerinnen, Kunst- und Politikwissenschaftler sind an drei Tagen mit Gewerkschafterinnen, Filmemachern, Journalisten, Schülerinnen, Schauspielern der Frage nachgegangen: „Warum arbeiten?“ Es ging um Geschichte und Zukunft der Arbeit in den Gesellschaften der Gegenwart, die bekanntlich wie das Kaninchen auf die Schlange namens KI, das heißt: Kapitalfreundliche Intelligenzverwertung, starren. Das Programm der Veranstaltung ist hier einsehbar:

https://www.printempsdeshumanites.fr

Der neu erbaute Campus Condorcet ist erreichbar über die Metrolinie 12, Ausstieg entweder an der Haltestelle „Front populaire“, in Erinnerung an die Volksfront, die 1936 die Linksregierung von Sozialisten und Kommunisten ermöglichte, oder an der Haltestelle „Aimé Césaire“, zu Ehren des Dichters, Essayisten und Kommunisten, der 1958 in seinen Ausweis schrieb: „Name: in den Schmutz gezogen; Vorname: gedemütigt; Zivilstand: Aufständischer; Alter: aus der Steinzeit stammend; Rasse: die menschliche; Religion: die Brüderlichkeit.“

Auch nach annähernd 80 Jahren hat Césaires „Rede über den Kolonialismus“ aus dem Jahr 1950 nichts von ihrer Aktualität verloren. Césaire besteht darin auf dem systematischen Zusammenhang zwischen Sklavenarbeit, kolonialistischem Rassismus und Kapitalismus (Rohstoffe, Arbeitskräfte, Absatzmärkte, Akkumulation), und er trennt das NS-Regime nicht ab vom kolonialistischen Rassismus (womit er heute vermutlich die meisten deutschen Demokrat*innen gegen sich aufbrächte):

„J’ai beaucoup parlé d‘Hitler. C’est qu’il le mérite : il permet de voir gros et de saisir que la société capitaliste, à son stade actuel, est incapable de fonder un droit de gens, comme elle s’avère impuissante à fonder uns morale individuelle. Qu’on le veuille ou non : au bout du cul-de-sac Europe, je veux dire l’Europe d’Adenauer, de Schuman, Bidault et quelques autres, il y a Hitler. Au bout du capitalisme, désireux de se survivre, il y a Hitler. Au bout de l’humanisme formel et du renoncement philosophique, il y a Hitler.”

Auf der Metrolinie 12 zum Frühlingsfest der Sozial- und Humanwissenschaften, der Künste und der „citoyenneté“ die über die Arbeit und die guten Gründe, warum sie keine Ware sein kann, nachdenken, begegnet man unweigerlich der Volksfront und dem Verfasser der Rede über den Kolonialismus und natürlich auch sehr vielen Wissenschaftler*innen, Studierenden, Doktorand*innen. Man würde der Linie 12, ihren historischen Namen und aktuellen Fragestellungen gern größere Bekanntheit wünschen, vor allem in den Gegenden, die rechts des Rheins liegen, „outre-Rhin“, wie man in Paris sagt.

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Unter dem Titel Von der Würde der Armen und den Pflichten der Reichen ist im Pariser Verlag „Les Belles Lettres“ ein außerordentlich lesenswerter Band mit drei Reden des französischen Bischofs, Theologen und Prinzenerziehers Jacques-Bénigne Bossuet (1627-1704) erschienen. Eingeleitet werden die Predigten („sermons“) Bossuets von einem Essay des emeritierten Inhabers des Lehrstuhls für Sozialstaatlichkeit und Globalisierung am Collège de France, Alain Supiot: „Verkehrungen der Weltordnung. Zur Aktualität Bossuets.“

Bossuet hat drei große Reden über die Armut verfasst: die „Lobrede auf den Heiligen Franz von Assisi“ (1652) sowie die beiden Predigten „Über die außerordentliche Würde der Armen“ (1659) und „Über die Reuelosigkeit bis in den Tod“ (1662); letztere wurde auch bekannt unter dem Titel: „Predigt vom schlechten Reichen, der stirbt“.

Die drei Texte werfen ein grelles Licht auf die Gegenwart des 21. Jahrhunderts, in welcher der Kult des persönlichen Reichtums allgegenwärtig ist, während gleichzeitig die Armut und die wirtschaftlichen Ungleichheiten zunehmen. Und zwar deswegen, weil, allen anders lautenden Gerüchten zum Trotz, der Reichtum nicht nach unten durchsickert. Er wird oben angeeignet.  

In seinen Predigten warnt der Bischof von Meaux die Reichen, „die glauben, dass ihnen alles zusteht, und die die Armen mit Füßen treten” immer wieder vor ihrem unseligen Schicksal. Ihr „unersättliches Verlangen nach immer mehr” verdammt sie dazu, so Bossuet, „stets gierig und hungrig bleiben zu müssen auch inmitten von Überfluss und exzessivem Luxus”. Ihrer Gier und Unzufriedenheit könnten sie nur entkommen, wenn sie sich in den Dienst der Armen stellen. Der Dienst an den Armen ist zugleich ihre einzige Möglichkeit, sich einen legitimen Platz in der Gesellschaft zu erwerben.

In seinem einleitenden Essay zu Bossuets Reden zeichnet Alain Supiot die unterschiedlichen ökonomischen Positionen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts zum Armutsproblem in den westlichen Gesellschaften nach. „Die Frage nach einer gerechten Verteilung des Reichtums, wie Bossuet sie thematisiert hat, ist seit den revolutionären Bestrebungen des 18. und 19. Jahrhunderts bis hin zur aktuellen Aushöhlung des Sozialstaates durch plutokratische Regime aktuell geblieben.“ „Der Abstand zwischen Bossuet und der Gegenwart des 21. Jahrhunderts, was das Bewusstsein und die Haltung der Herrschenden gegenüber den Armen angeht, lässt sich am besten ermessen, wenn man sich die historisch gewandelten Hoffnungen der Akteure vor Augen führt: Ludwig der Vierzehnte und die Mächtigen des Feudalzeitalters waren noch geneigt zu glauben, sie könnten den Himmel gewinnen, wenn sie den Armen etwas von ihren irdischen Reichtümern abgäben; Donald Trump und sein Hofstaat von Milliardären glauben, ihren individuellen Reichtum immer weiter vergrößern zu können, indem sie auch noch den Himmel in Besitz nehmen.“

https://www.lesbelleslettres.com/livre/9782251458359/de-la-dignite-des-pauvres-et-des-devoirs-des-riches

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Im Oktober 2025 fand im Museum Wagenschwend eine Lesung mit Markus Ostermair statt. Näheres dazu (u.a. die Videoaufzeichnung der Lesung) findet sich unter dem folgenden Link:

https://museum-wagenschwend.de/das-muwa-2/1-literaturtag-wagenschwend

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Aus Anlass des 80. Geburtstags von Rainer Werner Fassbinder haben im Mai 2025 die „Fassbindertage“ stattgefunden.

Die Texte zu Ehren des kompromisslosesten Filmemachers der BRD (von Ute Holl, Clemens Pornschlegel, Simon Schkade, Georg Beuerlein, Aleksandra Eliseeva, Waldemar Fromm, Nicole Colin, Georg Seeßlen und Margarethe von Trotta) sind im Schüren-Verlag erschienen unter dem Titel: Rainer Werner Fassbinder. Kino der Subversion, herausgegeben von Simon Schkade und Waldemar Fromm in Zusammenarbeit mit Ferdinand Leopolder.

https://www.schueren-verlag.de/film-und-medien/regisseure/titel/rainer-werner-fassbinder.html

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Auch wenn es etwas in Vergessenheit geraten ist: Heidegger war einer der modernsten und kreativsten Philosophen des 20. Jahrhunderts (wie Walter Benjamin, Eric Voegelin, Herbert Marcuse, Karl Löwith, Hannah Arendt, Günther Anders, Henri Lefebvre, Michel Foucault, Jacques Derrida u.a. wussten). Eine Tagung an der FernUni Hagen Heideggers Beispiele hat sich um die Beispiele gekümmert, an denen Heidegger seine Begriffe (der Technik, des Wesens, der Kunst, des Zeugs, des Dings) anschaulich zu machen suchte.

https://www.fernuni-hagen.de/literatur/docs/heideggers_beispiele_programmflyer.pdf

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Am 4. und 5. Oktober 2024 fand an der Università di Trieste die Jahrestagung der Eric-Voegelin-Gesellschaft statt. Das Thema der Tagung hätte kaum aktueller und präziser gewählt werden können: The deformation of language in politics and the critical role of literature today and in the work of Eric Voegelin.

Der Ankündigungstext der Voegelin-Gesellschaft ist es wert, in Gänze zitiert zu werden:

„The relationship between politics and reality is controversial. On one point there is universal consensus: reality is mediated by language and in particular political reality.  In Eric Voegelin, the significant relationship between political language and reality is central in his analysis of the language of the Third Reich as a paradigmatic example of how language can distort reality. The distortion of language is also a feature of contemporary society. In The New Political Science, Voegelin criticizes Western society’s reaction to war, which would merely express “disapproval, moral condemnation, declarations of intentions, manifestos and appeals to world public opinion, and condemnation of enemies as aggressors” to the point of proposing outlawing war. These are “magical operations in the dream world” which do not conceal high ideals or noble aspirations so much as the pernicious loss of a sense of reality due to what the author calls a real moral and intellectual corruption that has language as its specific object.

A most important resource to combat the corruption of language is, for Voegelin, literature. In particular, certain authors, such as Stefan George, Robert Musil, Heimito von Doderer, Albert Camus, Herman Broch, Thomas Mann, Paul Valery, George Santayana, and Henry James, precisely because of their sensitivity to language, have proved to be the most dangerous and effective opponents of the distorted language of politics.

At a time when reality principle seems to have been lost, and the distortion of language, empowered by digital forms of communication, has reached limits perhaps never known before, bringing attention to this aspect of Voegelin’s work, pursues two important goals: first, to investigate in depth Eric Voegelin’s thought in this regard by examining the authors who have contributed most to denouncing the distortions of language and restoring reality, and second, to test Voegelin’s theoretical reflection in its ability to interpret current phenomena of language transformation and reflect on the role literature can still play.“